
Patriarchalische Gesellschaftsstrukturen im Bezug auf die kurdische Gesellschaft
KurdSV Veranstaltet ein Seminar über die patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen im Bezug auf die kurdische Gesellschaft. Die kurdische Gesellschaft beherbergt im inneren ihrer Ethik eine nicht kodifizierte Sittenjustiz, die jedoch mit archaischen Mitteln ausgeübt wird.
Wir werden am Donnerstag, den 07. Mai 2009 im Hörsaal 11 der Universität Bielefeld versuchen diese komplexen Gesellschaftsstrukturen zu erläutern und konstruktiv zu diskutieren.
Seminar über die patriarchalische Gesellschaftsstrukturen im Bezug auf die kurdische Gesellschaft
Programm
Zur Einführung eine Dokumentation über den „Ehrenmord“
Vortrag vom Dr. rer. soc., Dipl. Psychologe Ilhan Kizilhan
Podiumsdiskussion mit der Beteiligung der Zuhörerinnen und Zuhörer
Mehr über:
Ilhan Kizilhan, Dr. rer. soc., Dipl. Psychologe, leitet eine transkulturell ausgerichtete Abteilung der Balint-Klinik im Schwarzwald. Er ist ferner psychologischer Sachverständiger, Habilitant und Mitarbeiter der Arbeitsgruppe "Konflikt und Friedensforschung" der Universität Konstanz. Er ist Autor zahlreicher Studien zu ethnischen Minderheiten im Mittleren Osten und nebenberuflicher Dozent an der Staatlichen Studienakademie Villingen-Schwenningen.
Datum: 07.Mai 2009 (Donnerstag)
Ort: Universität Bielefeld, Hörsaal 11
Beginn: 18:00 Uhr
Zunächst einmal bieten wir eine prägnante Einführung an.
„Patriarchalische Gesellschaften Allgemein“
Patriarchalische Gesellschaften verfügen über eine komplexe Struktur mit verinnerlichten Prozessen, die Jahrhunderte überdauern können. Für Individuen in einer derartigen Gesellschaft sind diese Prozesse und Regeln manchmal so verinnerlicht, dass sie in bestimmten Situationen und Konstellationen beginnen, automatisch zu handeln, ohne dass ihnen bewusst ist, weshalb sie sich gerade in dieser Situation so und nicht anders verhalten. Gerade bei Konflikten zwischen einem Individuum und einer Gruppe werden diese automatisierten Verhaltens- und Handlungsprogramme aktiviert. Die kollektiven Gesellschaften mit starken patriarchalischen Strukturen verfügen vermehrt über automatisierte Verhaltensweisen und Regeln, die historisch in der Gruppe entwickelt worden sind. Prozesse der Kontrolle oder Überprüfung und Neubewertung von Situationen sind weniger ausgeprägt oder finden wieder automatisiert in dem vorgegebenen Rahmen der patriarchalischen Strukturen statt.(Kizilhan)
Die kurdische Gesellschaft
Die kurdische Gesellschaft gliedert sich in untereinander konkurrierende Stämme (sing. Asiret), die sich jeweils aus mehreren, ebenfalls z.T. miteinander konkurrierenden Sippen (sing. Qabile) zusammensetzen; die Sippen bestehen aus mehreren Großfamilien (sing. Mal), diese sind in mehrere Kleinfamilien (sing. Xane) aufgefächert. Der Zusammenhang der einzelnen soziologischen Gruppen untereinander wird durch eine gemeinsame Genealogie konstruiert, d.h. durch die Abstammung des Stammes, der Sippen, der Großfamilien und der Kleinfamilien von je einem gemeinsamen Stammvater in absteigender Deszendenz.
Das soziologische Zentrum der Gesellschaft ist die Kleinfamilie (Haushalt, Xane). An ihrer Spitze steht der Haushaltsvorstand, der Vater, oder bei seiner Abwesenheit der älteste Sohn; nur der Haushaltsvorstand wird als wirtschaftlich oder politisch rechtsfähig betrachtet. Der Haushalt wird als Solidargruppe aufgefasst. Rechtseinheit ist der Haushalt, nicht das Individuum, das zu einem Haushalt gehört. Das Individuum ist nur insofern Rechtsperson, als es Mitglied eines Haushaltes ist, in dem es bestimmte Rechte besitzt, ebenso wie ihm bestimmte Pflichten obliegen. Bei Konflikten wird der Angriff auf ein Mitglied des Haushaltes als Angriff auf den gesamten Haushalt als ideale Einheit betrachtet, ebenso wie
Verfehlungen eines Mitgliedes eines Haushaltes als Verfehlungen des gesamten Haushaltes betrachtet werden.
Das Dilemma um die Ehre (NAMUS)
Die Rechtseinheit des Haushaltes wird über den Begriff der Ehre (namus) konstruiert; sowohl nach innen wie nach außen organisiert sich das Leben der Kleinfamilie um Existenz und Bewahrung der Ehre, die nach innen und außen in erster Linie durch den Haushaltsvorstand repräsentiert wird. Das Innenleben der Familien stellt sich dar als Anerkennung (Rûmet) und Kontrolle der Ehrenhaftigkeit, ihr Außenleben als Repräsentation der Ehre. Diese Repräsentation folgt allerdings unterschiedlichen Verhaltensmustern, die in ihrer jeweiligen Ausformung von der sozialen Stellung des Partners abhängig sind, dem gegenüber die Ehre demonstriert wird. Verletzung der Ehre wird als Angriff oder Beleidigung der gesamten Familie betrachtet, ebenso ist die Verteidigung der Ehre Aufgabe aller Familienmitglieder. Wesentlich ist, dass
die Ehre immer als körpergebunden betrachtet wird; Verletzung der Ehre ist gleichsam identisch mit einem Angriff auf die Körperlichkeit, die daher im Idealfall nur mit einem Angriff auf die Körperlichkeit des Ehrverletzers ausgeglichen werden
kann. Als Besitzer, Bewahrer und Verteidiger der Ehre ist jedes Familienmitglied mit seinem Körper für die Ehre seiner Familie (Xane), bzw. Sippe/Stamm (Asiret) verantwortlich und steht mit seinem Körper für die Bewahrung und Verteidigung der Ehre ein.
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Ji Bo Kurdistan

Danke für den Hinweis. die Veranstaltung ist an diesem Donnerstag.
07.05 18 Uhr
Ich gehe davon aus, dass ihr alle tolle Veranstalter seid.
Jedoch muss ich sagen, dass der 11.05 nicht Do. sondern Mo. ist.
Weiter so... ihr verbessert euch stetig. silav
Wir wollen auch provozieren, denn nur so können wir auch etwas bewegen. Aber ich glaube das die Veranstaltung sehr aufklärerisch sein wird.
__________________________Ji Bo Kurdistan
Das ist ja mal ein provokantes Bild.