Aus dem Online-Magazin Kurdmania.com:
Durchleuchtung
Die jüngsten Ereignisse offenbarten der Bevölkerung grundlegende Wahrheiten.
Diejenigen, die vorgeben, "nichts gesehen zu haben", sind sich im Grunde der Wahrheit bewusst, aber ein Teil von ihnen hat Schwierigkeiten, sie zu akzeptieren, und ein anderer Teil meint, er könne das alte Spiel ewig fortsetzen.
Aber ihre Reaktion und sie selbst sind nicht wichtig.
Wichtig ist, dass die nackte Wahrheit mittels einer Durchleuchtung dem Volk vorgeführt wurde.
Bis heute konzentrierten sich alle Bemühungen darauf, diese Röntgenaufnahme zu verhindern, damit die Wahrheit nicht ans Tageslicht tritt.
Denn diese Durchleuchtung wird alle Deformationen im Aufbau dieses Staates an den Tag bringen und das Belügen des Volkes kann dann nicht mehr lange weiter betrieben werden.
Wir haben nun einmal gesehen, dass das Rechtssystem dieses Landes in einer total ungerechten "Teile-und-Herrsche" Mentalität ihre Lebenslüge gefunden hat.
Auch die Justiz hat den Staat und das Volk entzweit.
Das Militär, der oberste Gerichtshof und die Bürokratie wurden als "Staat" akzeptiert und durch gewisse Verfassungsartikel mit einem Schutzschirm umhüllt, der ihnen jegliche Freiheit zum Begehen von "Staats"-Verbrechen und "Schutz vor strafrechtlicher Verfolgung" gewährt.
Während eine vom Volk begangene Tat als "Verbrechen" betrachtet wird, wird eine gleichartige Tat nicht als "Verbrechen" betrachtet, wenn sie von "Staatsfunktionären" begangen wird.
Wird aber eine Tat doch einmal als "Verbrechen" betrachtet, werden diese Menschen nicht vor Gericht gestellt,
, sie werden von der Gerichtsbarkeit ferngehalten.
Das Militär und der oberste Gerichtshof können, wenn sie wollen, das "Rechtssystem" stark unter Druck setzen und müssen sich hierfür noch nicht einmal rechtfertigen.
Sie wollen sogar, dass auch nicht mehr aktive Militärs diese "Privilegien" erhalten.
Vor einigen Tagen haben sich alle Generale und Admirale des Militärs versammelt und eine Erklärung abgegeben, die als "direkte Intervention in das Justizwesen" bezeichnet werden kann.
Was war es, das sie wollten?
Sie wollten durchsetzen, dass die ehemaligen Kommandanten rechtlich nicht belangt werden, die eigentlich aufgrund ihrer mutmaßlichen Beteiligung am Putschplan "Balyoz" einvernommen werden müssten.
Sagten sie etwa: "Solch einen [Putsch-]Plan gibt es nicht, es ist alles erstunken und erlogen, es wäre Unrecht, diese Kommandanten zu verhören"?
Nein!
Sie vermieden jedes Wort, welches die Existenz des Balyoz-Plans leugnete.
Denn auch sie wissen, dass diese Pläne existieren und der Versuch, sie zu leugnen, ihnen in absehbarer Zeit große Schwierigkeiten bereiten könnte.
Und was sagten sie nun?
"Selbst wenn es einen solchen Plan gibt, zieht diese Paschas nicht zur Verantwortung, das würde uns mächtig ärgern."
Sie versuchten, Angst zu verbreiten.
Unterdessen erfuhren wir, dass die "ehemaligen Kommandanten" nicht von "normalen" Staatsanwälten [also: einfachen, für den Wohnort zuständigen, d. Red.] verhört würden.
Sie hatten den Gesetzen einen solchen Paragraphen angefügt.
Nun gut, wieso besitzen sie solche Privilegien?
Wieso erhalten Militär-Kommandanten solche Privilegien, die [noch nicht einmal] Gehirnchirurgen besitzen?
Wieso können Bäcker von einem einfachen Polizeiwachtmeister verhört werden, und das Verhör eines Paschas gestaltet sich so schwierig?
Oder sind etwa Oberstaatsanwälte Teil einer anderen Verhörbehörde?
Diese Art von "Apartheid" teilt die Gesellschaft diskriminierend in "Herren" und "Sklaven".
Und der größte Befürworter dieser Diskriminierung sind die Medien.
Um ehrlich zu sein, ahnte ich nicht, dass die Medien solche "Pascha-Mitläufer" sind. Ich dachte, sie besäßen ein größeres Schamgefühl. Während ein Plan wie "Balyoz" ["Vorschlaghammer"] die Runde dreht, in dem die Rede von Anschlägen auf Moscheen ist, hätte ich nicht gedacht, dass sie sagen: "Ach Gottchen, das Erarbeiten von Manöverplänen ist doch kein Verbrechen", oder dass sie die Vorladung der "Putschisten" zu Gericht als "große Entsetzlichkeit" bezeichnen würden.
Ein Teil der Medien hat seinen Schleier fallen lassen und ist gemeinsam mit der CHP zur "Verteidigung der Putschisten" übergegangen.
Sie nahmen nicht neben dem Volk Platz, sondern neben den Putschisten.
Die Röntgenaufnahme befindet sich nun in unserer Hand.
Die Quertreibereien im Militär, in der Justiz und in den Medien sind nun offensichtlich.
Mit jedem neuen Ereignis verstehen wir nun besser, dass diese "Republik" auf der "Gewaltherrschaft durch eine Minderheit" fußt und dass das Volk hintergangen wird.
Das ist die wichtigste Entwicklung.
Die Abwehrbemühungen der Generale, nebst Justiz und Medien, bewirken jedoch nur, dass sich diese Wahrheit noch tiefer in das Bewusstsein des Volkes einschweißt.
Die jüngsten Ereignisse haben es ermöglicht, eine "Diagnose" zu treffen.
Und die Behandlung wird zweifellos von der Bevölkerung durchgeführt werden.
Wir werden uns wohl kaum weiterhin so krümmen vor Krankheit.
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Dieser Kommentar von Ahmet Altan erschien am 26. Februar 2010 in "Taraf" unter dem Originaltitel "Röntgen". Für Kurdmania aus dem Türkischen übersetzt von SiWan.
Artikel geschrieben von: SiWan am Donnerstag, 04. März 2010
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