Die kurdische Frau; Weibliche Führungspersonen in der kurdischen Geschichte

Die kurdische Frau
Weibliche Führungspersonen in der kurdischen Geschichte

Die kurdische Gesellschaft gilt als eine stark männlich dominierte Gesellschaft. Desto trotz gab es im Laufe der kurdischen Geschichte einige Frauen, die hohe Posten erreichten. Bei den geographischen Nachbarn der Kurden, lassen sich kaum vergleichbare Fälle ausmachen.

Die mehrfach aufgetretenen Fälle weiblicher Herrschaft sind schon für sich genommen interessant genug, aber sie werfen darüber hinaus eine ganze Reihe von Fragen hinsichtlich des Wesens der kurdischen Gesellschaft und der Rolle, die Frauen darin spielen, auf.

Nun einige kurdische Intellektuelle wollen in diesen Fällen den Beweis für die angesehen Position und sogar die Spuren einstiger Gleichberechtigung sehen.
Wenn auch kurdische Feministinnen von den Herrscherinnen und Stammesführerinnen fasziniert sind, publizieren Sie nicht Meinungen, dass in Kurdistan eine Gleichberechtigung herrscht1.

Adela Khanum(Xanim)2 aus Halabja

Adela Xanim stammt aus der Fürstentumsfamilie Ardalan, die in Südost Kurdistan herrschten. Ihr Mann Usman Pascha stammt von der Jaf - Konföderation, die zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in süd Kurdistan herrschte.
Ihr Mann war der Gouverneur des gesamten Bezirks von Sharizur(u.a.Halabja), das zum Osmanischen Reich gehörte. Nach dem Tod ihres Mannes(1909) blieb sie an der Macht, die ihr bis zu ihrem Tod 1924 nicht streitig gemacht wurde.

Sultan Xanim

Der italienische Reisende Pietro della Valle, reiste um 1620 nach Qasrî Shrin das im heutigen Iran liegt(Südost Kurdistan). Er schilderte später in seinen Publikationen, dass er von der kurdischen Herrscherin Sultan Xanim herzlich Angenommen wurde.

Xanzade Sultan

Der Berühmte Osmanische Reisende Evliya Chelebi berichtete von einer besonders militanten Herrscherin im Doppelfürstentum Soran und Harîr(Süd Kurdistan nähe Erbil).

„Zur Zeit des Sultans Murad IV.(1623-40) wurden die Bezirke Harir und Soran von einer ehrenwürdigen Dame namens Kh(X)anzade Sultan regiert. Sie befehligte eine Armee von zwölftausend mit Schusswaffen ausgestatteten Fußsoldaten und zehntausend berittenen Bogenschützen.“3

Qara Fatma Xanim

Fatma Xanim war das Oberhaupt eines kurdischen Stammes aus Meresh(trk. Marash)4 . Fatma befehligte im Krieg zwischen Osmanischen Reich und den Zaren, ein kurdisches Kontingent, um ihre Loyalität zum Osmanischen Reich unter Beweis zu stellen. Die englische Zeitschrift „Illustrated London News“ schrieb einen langen Artikel über die Herrscherin 5.

Gleichberechtigung!

Fraglich ist ob man durch diese Herrschrinnen, von einer Gleichberechtigung innerhalb der kurdischen Gesellschaft reden darf? Es ist unstrittig, dass einige Frauen einen außergewöhnlichen Einfluss auf die kurdische Gesellschaft ausüben konnten, aber dies kann man nicht auf die Gesamtheit der kurdischen Frauen übertragen. Des Weiteren stimmt es, dass Frauen in einigen Teilen Kurdistans eine gewisse Bewegungsfreiheit genießen, vielleicht mehr als in vielen anderen Gebieten des morgenländischem Territoriums.
Doch das Wesen und der Grad dieser Freiheit, hängt vom sozialen Status der Familie ab.

Die bekanntesten einflussreichen Frauen, gehörten alle aristokratischen Kreisen an, und die Meisten verdankten ihre Herrschaft zunächst einmal ihren Männern(bzw. der Vater).
Frauen aus normalen Kreisen wurden nicht ohne weiters in Führungspositionen akzeptiert.

Der berühmte kurdischer Intellektueller Musa Anter schilderte die Position der Frauen in der kurdischen Gesellschaft, mit einem ironischen Kommentar;

„Die Frauen ernten die größte Anerkennung damit, dass sie ihre `heilige Pflicht` Kinder zu gebären, erfüllen. So wie ein Offizier der Anzahl seiner Abzeichen geehrt wird, so steigt das Ansehen kurdischer Frauen mit der Menge ihrer Kinder“6

Die kurdische Schriftstellerin F. Karahan verneint mit aggressiven Tonfall die angebliche Gleichberechtigung der kurdischen Frau. Wie in den meisten anderen traditionellen Gesellschaften, so Karahan, werden Frauen auch in der kurdischen Gesellschaft nur als Mütter und Ehefrauen respektiert, nicht aber als autonome Persönlichkeiten. Darüber hinaus bewahre der Respekt, den die Gesellschaft ihnen zolle, die Frauen nicht vor häufigen Schlägen seitens ihrer männlichen Verwandten7 .

Des Weiteren sollte man nicht vergessen, dass durch die über allem stehenden Begrifflichkeiten wie Ehre und Stolz, der „Spielraum“ der Frau Disput artig eingeschränkt wird.

Fortsetzung folgt………

Quellen;

1)Martin van Bruinessen; Von Adela Khanum zu Leyla Zana, 2002 Kurdologie

2)Khanum(krd. Xanim), ist eine hochrangige Frau gemeint, insb. Aristokratinnen

3)Evliya Chelebi, Gewohnheitsrecht (Qanunname)

4)Nordwest Kurdistan

5)Medyali 1989; 25ff.

6)Musa Anter, meine Memoiren

7)Karahan, Roza 1996

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Ji Bo Kurdistan

Bild von Cira

Hallo,
finde das Thema sehr interessant und die Auseinandersetzung mit der Thematik. Mache mir auch oft Gedanken, wie das bei uns kurdischen Frauen so ist. Neige oft schnell dazu meine Meinung zu äußern, aber bin mal gespannt was noch kommt..
LG CIRA Smiling